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Die fotografische Datenlawine

Nicht nur die Quantität der gemachten Fotos, aus der nicht zwingend auch ein Mehr an Qualität entspringt, hat sich verändert.

Nötigen früher die Film- und Entwicklungskosten zur Zurückhaltung, so wird heute drauflos fotografiert, was die Hardware hergibt. Die Bilder wurden billig, und das nicht nur in pekuniärer Hinsicht. Vielmehr wird auf den Auslöser gedrückt, auch wenn das Motiv diesen Aufwand oft gar nicht wert ist. Ob Schüler mit Handykamera im Pausenhof oder chinesischer Tourist mit Spiegelreflex der Spitzenklasse: Hauptsache, es macht "klick". Und hinterher nicht selten "click", wenn die auf den PC geladenen Elaborate via Maustaste wieder im virtuellen Mülleimer versenkt werden.

Mich beschleicht das Gefühl, die Fotografie hat sich von der Dokumentation des Bemerkenswerten zum Logbuch des Banalen entwickelt. Selbst die marginalsten Ereignisse des Alltags werden offenbar noch als ablichtenswert empfunden. Beinahe beginnt man sich angesichts des Umfangs der Bildsammlungen mancher Fotografen nach analogen Zeiten zu sehnen, bei denen man die Umwelt lediglich zu Kernereignissen des Lebens wie Hochzeiten oder Weihnachtsfeiertagen mit Blitzlicht beglückte. Heute hingegen wird versucht, die Gegenwart manisch festzuhalten, so als könne man mit der Digitalkamera deren Abgleiten in das Vergessen verhindern. Das Problem liegt darin begründet, dass nach 36 Aufnahmen bei einer Digitalkamera niemand an den Filmwechsel und an die mit der Entwicklung verbundenen Kosten nachdenkt. Die ungeheuren Bildermengen, die im Laufe der Zeit zusammen kommen, überfordern das beste fotografische Gedächtnis, auch wenn diesem letztendlich EDV-unterstützt am Heim-PC nachgeholfen wird ...

fotoMAGAZIN 7/2008 Chris Hinterobermaier